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Veröffentlicht am
05.03.2026
Die Erschließung von Tiefengeothermie durch das WärmeWerk Wörth wird im Rahmen des Forschungsvorhabens DEKAPALATIN vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWE) gefördert. Das Vorhaben wird als nationales Leuchtturmprojekt von führenden wissenschaftlichen Einrichtungen begleitet.
Die Konsortialpartner trafen sich am 24. und 25. Februar 2026 am Standort von Daimler Truck in Wörth am Rhein. Ziel war es, die Fortschritte der einzelnen Arbeitspakete innerhalb des Konsortiums abzustimmen und dem vom BMWE beauftragten Projektträger Jülich (PtJ) einen detaillierten Projekteinblick zu geben.
Am geplanten Standort auf dem Werksgelände von Daimler Truck in Wörth sollen zwei Bohrungen abgeteuft werden: eine Förderbohrung, über die das heiße Thermalwasser an die Oberfläche gefördert wird, und eine Injektionsbohrung, über die das abgekühlte Wasser wieder in das unterirdische Reservoir zurückgeführt wird. Zur Vorbereitung wird derzeit intensiv an der Bohrplatz- und Bohrpfadplanung gearbeitet. Dafür sind neben der Interpretation der 3D-seismischen Daten, die kontinuierlich verfeinert werden, vorbereitende Umwelt- und geologische Gutachten erforderlich, um den sogenannten Hauptbetriebsplan beim Landesamt für Geologie und Bergbau Rheinland-Pfalz (LGB) einreichen zu können.
Darüber hinaus werden Ausschreibungen für Bohrtechnologien vorbereitet, die für Temperaturen von über 160 Grad Celsius geeignet sind. Mit dem Projektfortschritt geht außerdem die Beantragung öffentlicher Fördermittel einher, die mit den jeweiligen Arbeitspaketen verbunden sind.
Zusätzlich zu den Planungen und Vorbereitungen durch das WärmeWerk Wörth nutzen die Forschungspartner unter anderem vorhandene wissenschaftliche Veröffentlichungen sowie die 3D-seismischen Daten, um ihre Modelle weiterzuentwickeln. Sie fließen in das aktuelle Projekt ein und dienen künftigen Vorhaben als Blaupause zur erfolgreichen Erschließung von Wärmequellen im tiefen Untergrund.
Die Universität Göttingen untersucht vor allem die Prozesse im geothermischen Reservoir im tiefen Untergrund. Dabei werden Modelle entwickelt, die zeigen, wie sich Wärme, Wasser und chemische Reaktionen im Gestein gegenseitig beeinflussen können. Auf Grundlage vorhandener Daten wird außerdem eine erste geologische Beschreibung des Reservoirs erstellt. Ergänzend dazu werden dreidimensionale Modelle aufgebaut, mit denen sich das Verhalten von Wasser und Wärme im Untergrund simulieren lässt.
Das Institut für Angewandte Geophysik (LIAG) analysiert 3D-seismische Daten, um Annahmen über die regionale Struktur des Gesteins tief unter der Erde treffen zu können. Besonders wichtig ist dabei die Identifikation von natürlich vorkommenden Rissen, durch die das Thermalwasser im Untergrund zirkulieren kann. Darüber hinaus analysieren die Forschenden, welche geophysikalischen Untersuchungsmethoden wie beispielsweise die 3D-Seismik für die Erkundung des Untergrunds den größten Nutzen liefern.
An der Technischen Universität Darmstadt werden geomechanische Modelle entwickelt. Diese helfen zu prognostizieren, wie sich das Gestein im Untergrund unter natürlichen Bedingungen und während der Bohrungen verhält.
Das Institut für Geothermisches Ressourcenmanagement (igem) beschäftigt sich mit Simulationen von Bodenbewegungen im Untergrund. Parallel wird ein Messnetz aufgebaut, mit dem bereits kleinste seismische Signale erfasst werden können. Dieses Monitoring ermöglicht es, die spätere Bohr- und Betriebsphase kontinuierlich zu beobachten.
Die wissenschaftlichen Untersuchungen haben zunächst Modell- und Prognosecharakter. Erst mit den Ergebnissen der Bohrungen stehen direkte Messdaten aus großer Tiefe zur Verfügung, mit denen die Modelle überprüft und weiter verfeinert werden können.
