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Veröffentlicht am
05.11.2026
Die Erschließung von Tiefengeothermie durch das WärmeWerk Wörth wird im Rahmen des Forschungsprojekts DEKAPALATIN vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWE) gefördert. Als nationales Leuchtturmprojekt wird das Vorhaben von führenden wissenschaftlichen Einrichtungen begleitet. Ziel ist es, die Erschließung tiefer geothermischer Wärmequellen wissenschaftlich zu unterstützen und Erkenntnisse für zukünftige Projekte zu gewinnen.
Am 26. und 27. Oktober 2026 trafen sich die Konsortialpartner am EnBW-Standort in Karlsruhe. EnBW ist einer der drei Gesellschafter des WärmeWerk Wörth. Im Mittelpunkt des Treffens standen der Austausch über die Fortschritte in den einzelnen Arbeitspaketen und die Vorstellung des aktuellen Projektstands gegenüber dem vom BMWE beauftragten Projektträger Jülich (PtJ).
Vorbereitungen für die Tiefbohrungen schreiten voran
Auf dem Werksgelände von Daimler Truck in Wörth am Rhein haben die vorbereitenden Arbeiten für den geplanten Bohrplatz begonnen. Die vorgesehene Fläche wurde weitgehend freigeräumt, das Gelände eingeebnet und die Baustellenlogistik einschließlich der Zufahrten vorbereitet. Zudem wurde eine der insgesamt fünf geplanten Grundwassermessstellen eingerichtet.
Sobald die erforderlichen Genehmigungen des Landesamts für Geologie und Bergbau Rheinland-Pfalz (LGB) vorliegen, kann mit dem eigentlichen Bohrplatzbau begonnen werden. Dazu gehören unter anderem die Herstellung befestigter Flächen und Fundamente sowie die Einrichtung von Entwässerungssystemen und technischen Leitungen.
An den geplanten Bohransatzpunkten werden außerdem die ersten Stahlrohre, die sogenannten Standrohre, in den Boden eingebracht. Sie stabilisieren den oberflächennahen Bereich und bilden die Grundlage für die anschließenden Bohrarbeiten. Sobald die erforderlichen Genehmigungen vorliegen und die Vorbereitungen einschließlich des Aufbaus der Bohranlage abgeschlossen sind, können die beiden Bohrungen beginnen: Über die Förderbohrung soll heißes Thermalwasser an die Oberfläche gefördert werden. Über die Injektionsbohrung wird das nach der Wärmegewinnung abgekühlte Wasser wieder in den Untergrund zurückgeleitet.
Für die anspruchsvollen Bohrarbeiten sind spezialisierte Technologien und erfahrene Dienstleister erforderlich. Diese werden im Rahmen europaweiter Ausschreibungen ermittelt und ausgewählt.
Forschung verbessert das Verständnis des Untergrunds
Parallel zu den Planungen und Vorbereitungen des WärmeWerk Wörth entwickeln die Forschungspartner ihre Untersuchungsmethoden und Modelle weiter. Sie nutzen vorhandene Daten, ergänzen Messungen und untersuchen, wie sich die geologischen Strukturen und die physikalischen Eigenschaften des Untergrunds auf die Nutzung der Erdwärme auswirken.
Die Ergebnisse sollen sowohl die Planung und Bewertung des konkreten Projekts unterstützen als auch Erkenntnisse für die Erschließung vergleichbarer geothermischer Wärmequellen liefern.
Universität Göttingen: Strömung und Wärmetransport im Reservoir
Die Universität Göttingen untersucht die Prozesse im tiefen geothermischen Reservoir. Im Mittelpunkt stehen Modelle, die das Zusammenspiel von Wärme, Wasser und chemischen Prozessen im Gestein beschreiben. Auf Grundlage vorhandener Daten wird zudem eine erste geologische Beschreibung des Reservoirs erstellt. Ergänzend entstehen dreidimensionale Modelle, mit denen sich die Bewegung von Wasser und die Ausbreitung von Wärme im Untergrund simulieren lassen.
Die Untersuchungen berücksichtigen unter anderem, wie Temperatur und Salzgehalt die Strömung beeinflussen und welche Rolle Störungszonen sowie unterschiedlich durchlässige Gesteinsbereiche spielen. Die Modelle sollen helfen, die Strömungs- und Wärmeverhältnisse besser vorherzusagen, die langfristige Leistungsfähigkeit des Reservoirs einzuschätzen und die Auswirkungen der Reinjektion von Thermalwasser zu bewerten.
LIAG: Geologische Strukturen und mögliche Fließwege erkennen
Das LIAG-Institut für Angewandte Geophysik wertet die vorhandenen 3D-seismischen Daten aus, um die geologischen Strukturen im Untergrund zu modellieren. Ein Schwerpunkt liegt auf der Untersuchung natürlicher Klüfte sowie ihrer räumlichen Ausrichtung. Diese Strukturen können beeinflussen, auf welchen Wegen Wasser durch das Gestein fließt.
Darüber hinaus vergleichen die Forschenden geophysikalische Untersuchungsmethoden, um zu bewerten, welche Verfahren den größten Beitrag zur Erkundung des Untergrunds leisten. Die Ergebnisse sollen dazu beitragen, die geologischen Modelle zu präzisieren und die Planung der Bohrpfade weiter zu verbessern.
Technische Universität Darmstadt: Verhalten und Stabilität des Gesteins
An der Technischen Universität Darmstadt werden geomechanische Modelle entwickelt, mit denen sich das Verhalten des Gesteins unter natürlichen Bedingungen und während der Bohrarbeiten untersuchen lässt. Sie helfen einzuschätzen, wie das Gestein auf Veränderungen der Spannungsverhältnisse reagiert und welche Auswirkungen dies auf die Bohrungen haben kann.
Ergänzend liefern geophysikalische Messungen in der Region Erkenntnisse darüber, wie gut sich moderne Verfahren zur Erfassung oberflächennaher geologischer Strukturen unter realen Bedingungen eignen. Die Ergebnisse verbessern das Verständnis der Eigenschaften oberflächennaher geologischer Strukturen.
igem: Seismisches Monitoring ausbauen
Das Institut für Geothermisches Ressourcenmanagement (igem) untersucht, wie sich seismische Ereignisse im Untergrund zuverlässig erfassen und analysieren lassen. Dazu wurden in den vergangenen Monaten verschiedene Messstationen testweise aufgebaut, um die Registrierung kleinster seismischer Ereignisse zu ermöglichen.
Fünf der getesteten Stationen werden derzeit zu permanenten Messstationen ausgebaut. Sie sollen kontinuierlich seismische Wellen erfassen und so dazu beitragen, die geologischen Eigenschaften der Region besser zu verstehen. Das seismische Messnetz ist zugleich ein wichtiger Baustein, um die späteren Bohr- und Betriebsphasen zu überwachen und Erschütterungen wissenschaftlich einzuordnen.
